So, ich hab gedacht, diesmal fang ich meinen Blog mit nem
kleinen Ratespiel an: Hier die Arbeitsbereiche in denen ich laut Vertrag
arbeiten soll. Und hier mein Arbeitsvertrag (und nein, dafür müsst ihr die
Spanischen Details nicht verstehen;)) Und was fällt uns auf? Richtig, das eine
hat irgendwie wenig mit dem anderen zu tun. Als ich das gemerkt hab, war ich
auch ein kleines bisschen verstimmt…
Ich will euch kurz erklären, worin meine Arbeit hier besteht:
Ich sitze Montag- Freitag von 8-12 &
2-18Uhr an der Rezeption eines Gesundheitszentrum und warte auf Patienten die
eine Grunduntersuchung haben wollen, schreibe ihnen eine Rechnung und suche
dann aus 54 Ordnern ihre Akte raus und bringe sie letztendlich zur Doktorin.
Und jetzt dürft ihr nochmal raten, wie viele Patienten am Tag das haben
wollen…Genau, 3-5 über den Tag verteilt!
Naja vielleicht auch mal 6. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, was ich denn den
Rest der Zeit mache und ich wills euch sagen: Ich starre auf die Uhr oder den
Fernseher, wo den ganzen Tag irgendwelche (Talk-)Shows „Thema heute: “Du hast
mich misshandelt, jetzt zeig ichs dir“ oder „Ich habe mein Kind weggegeben,
jetzt will ich es wieder“, vergleichbar mit Britt oder so, laufen. Viele Tränen
und Geschrei und das ganze moderiert von einer magersüchtigen, überschminkten,
blondgefärbten, sehr laut sprechenden Frau. Oder irgendwelche
Dauerwerbesendungen ala „Der Tod beginnt im Bauch, fangen Sie jetzt an diese
und diese und diese Produkte dagegen anzuwenden…“.Okay ihr könnts euch ungefähr
vorstellen, also ich schlage die Zeit tot.
Ich hab dann irgendwann mal angefangen die Ordner zu
sortieren und die Akten rauszuschmeißen, von den Patienten, die seit mehr als 5
Jahren nicht mehr da waren, aber nach knapp einer Woche hatte ich auch diese
Sisyphus-Arbeit erledigt. Eigentlich soll Sisyphus-Arbeit ja glücklich machen,
ich fands am Anfang auch ganz toll Akten wegzuschmeißen, aber irgendwann haben
mich diese, durch Überfüllung verbogenen und kaputten Ordner, die einfach nicht
in ihrem Regal stehen bleiben wollten, wirklich aggressiv gemacht.
Ich verstehe jetzt auch, warum nur noch eine Freiwillige
hier ist( Die beiden Jahre davor, waren hier
zwei): weil es einfach tatsächlich
nicht genug Arbeit gibt. Ich mache auch keinem im Centro Medico einen Vorwurf,
denn ich bin nun mal nicht ausgebildet und kann deswegen nur als Rezeptionistin
arbeiten, aber wenn selbst das eigene Personal nicht ausgelastet ist, was soll
ich dann da?
Naja es haben dann einige Treffen stattgefunden, in denen
ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich ungern dafür bezahlt werde zu schlafen oder
die Zeit tot zu schlagen und ein Jahr fast nichts zu tun, wo ich doch gekommen
bin, um zu helfen. Und siehe da, ich konnte meine eigenen Vorstellungen mit
einbringen und mein neuer „Stundenplan“ sieht wie folgt aus: Morgens werd ich
wohl oder übel von 8-12 Uhr weiter im Centro Medico arbeiten, allerdings
dienstags und donnerstags von 9-10Uhr Englischkurse geben. Im Nachmittag werde
ich von „meinem Zuhause“ aus arbeiten. Das heißt:
1.
Die Englischkurse vorbereiten, vllt. auch einen
Recycling-Kunstkurs
2.
Die Facebookseite, sowie die Internetseite von
CLEM auf Vordermann bringen
3.
Die Produkte abfotografieren und ins Internet
stellen (typisch bolivianische Nähsachen, die wohl aber nur die Engländer
kaufen)
4.
Die Arbeit im Centro Medico dokumentieren und
promoten
5.
Einen Tag der offenen Tür organisieren
6.
Und ein Nähbuch vom englischen ins Spanische
übersetzen -.-
7.
Kontakt zu anderen methodistisch- evangelischen
Vereinen in Deutschland herstellen (Ja, ich hab auch festgestellt, dass das
hier ne religiöse Organisation ist…)
Joa und außerdem montags,
mittwochs und freitags auch von 15-16Uhr Englischkurse geben.
Soweit der Plan, inwiefern sich
das umsetzten wird, werde ich berichten…
Ja ansonsten hab ich mich mittlerweile
schon was besser eingelebt. Ich finds auch nicht mehr so schlimm ganz allein zu
wohnen und genieße die Vorteile, allerdings kommen immer noch sehr oft iwann abends
unangekündigt iwelche Söhne von der Leiterin, um hier im Büro ins Internet zu gehen
und ich muss dann immer Turbo-Anziehen machen, wenn ich den Schlüssel höre. ;D
Ich hab jetzt sogar auch schon einmal gewaschen (man ist das anstrengend und
dann ist das Waschbecken auch noch so tief, dass man iwann Rückenschmerzen bekommt)
und eigentlich ist es auch schon wieder Zeit für die nächste, aber da ich jetzt
gleich fürs Wochenende wieder nach Santa Cruz flüchte, muss die wohl noch bis
Sonntagabend warten, gut das ich sage und schweige 20 Unterhosen eingepackt
habe! ;D
Ich fahre nämlich im Moment jedes
Wochenende nach Santa Cruz, weil ich hier erstens noch
| Kocherei bei mir zu Hause |
niemanden kenne, einfach
ein Großstadt-Kind bin und Trubel um mich rum brauch. Außerdem gibt’s hier
nichts und die ein zwei Clubs dies gibt, das soll ich nicht hingehen, weil es
zu gefährlich für mich als Ausländerin ist, was ich mittlerweile sehr gut verstehen
kann, wenn schon manchmal auf meinem 20minütigen Weg zur Arbeit 5-6 Motorräder
um mich rumkreisen und mich fragen, ob sie mich mitnehmen wollen. Und nein, das
ist bestimmt nicht nur nett gemeint…“Hallo Püppchen, Barbie,Baby, meine Liebe, mein
Leben, Liebes, meine Ehefrau…“ usw. kann ich mir dann immer von teilweise echt
alten Säcken anhören.
Zurück zu dem Santa Cruz-Ding,
denn so schön es da auch ist, bereitet mir das ganze schon etwas Kopfschmerzen,
denn wenn ich jedes Wochenende weg bin, ist meine Angst, dass ich hier schlecht
Anschluss finden werde. Außerdem werde ich jetzt noch montags, mittwochs und
Freitagsabends nach S.C. fahren (Ja, und das trotz einer Stunde hin und zurück
fahren.), um dort in eine Ballettschule
zu gehen. Denn nach langem Hin-und Herüberlegen bin ich zu dem Schluss
gekommen, dass ich einfach nicht ohne kann und hier in Montero gibt es außer
einem Fitnessstudio nicht wirklich was zum Sport machen. Da hab ich übrigens
letztens das erste Mal Trampolin-Aerobic gemacht und das war echt anstrengend,
vor allem hatte ich gegen Ende die ganze Zeit Seitenstiche, weil ich das mit
dem Dauerspringen und Atmen noch nicht so koordiniert gekriegt hab. Vor allem
das mit dem Tanzstudio könnte ich mir dann Abschminken, egal ob ich mich dafür
entscheiden werde oder nicht. Das heißt auf jeden Fall wenig Zeit hier, aber
auch zu wenig Zeit, um in Santa Cruz feste Freundschaften zu entwickeln. Dieser
Zwiespalt und die Unzufriedenheit mit meiner Arbeit, haben mich dann schon in
eine kleine Krise gestürzt, aber ich habe mich wieder beruhigt und werde erst
mal schauen, wie sich das jetzt alles entwickelt.
Mit der Arbeit ist es nämlich so,
dass ich das Gefühl hab, dass die zwar meine Unterstützung brauchen und wollen,
aber dafür nicht einen Finger krümmen wollen. Ich fühl mich wie eine Mami. Die
Volintaria, Theresa und Laura von vor zwei Jahren, haben zum Beispiel diesen
Tag der Offenen Tür auf die Beine gestellt. Die von letztem Jahr konnten sich
iwie nicht so dazu animieren und was ist, es gibt keinen, weil keine von den
Frauen hier mal selber die Initiative ergreifen möchte. Ähnlich mit den
Produkten, die könnten die ja auch mal sortieren, katalogisieren und
fotografieren, nein dazu muss ich her. Und dann muss ich auch immer dazu
drängen, dass doch mal endlich zu machen, weil ich brauche dazu auch Hilfe.
Oder das Buch für die Strickmaschine. Noch nie was von Google-Übersetzer
gehört? So mach ich das nämlich größten Teils, denn nein tut mir leid aber
spanisches Strickmaschinenfachvokabular ist mir nicht so geläufig. Wo ein
Wille, da auch ein Weg ist da meine Devise.
Aber schön ist, dass ich mittlerweile tatsächlich ein paar Englischschüler habe und das ist wirklich schwerer als gedacht, denn die meisten hatten gar noch nie Englisch…
| Ja Konfetti auf andere machen, da gefällt der Jacky |
| Mein neuer Mitbewohner |
Habe diese schöne Spinne in der
Dusche antreffen dürfen, aber ich wurde schon beruhigt, die wohnt halt hier.
(Vielleicht kann mir meine liebe Tante Sandra ja mit der Gattung helfen, denn
die hat nämlich 10 von solchen Dingern bei sich zu Hause!;))
Musste schon mehrmals zur Arbeit
schwimmen, der starken Regenfälle wegen. Das ist dann morgens früh auch immer
sehr schön, das kann man direkt durch ein kaltes Fußbad in die kalte Dusche
stapfen. Also eigentlich kann man nen Schalter umlegen und dann gibt sie ca. 5
Minuten warmes Wasser. Danach gibt es einen lauten Klack, bei dem ich mich
immer noch total erschrecke und das Wasser wird kaaaaaaalt.
PS: Ach ja und wisst ihr was,
mein Tabaaaaaaaaak ist letzten Sonntag endgültig leer gegangen und hier kann
man wirklich nur Zigaretten kaufen…L
Also wenn ihr mal ein Päckchen übrig habt oder auch sonst wenn euch mal
langweilig ist, freue ich mich über Karten. J
Meine Adresse hier ist: “Jacqueline
Krell /Calle Isaisas Parada 294 /Casilla 88/ Montero, Santa Cruz/ Bolivia”
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